13.08. - 25.08. Karlsruhe

Positionierung zu Israel und Palästina

Das System Change Camp 2026 beginnt bald. Vor dem Start möchten wir Klarheit schaffen. Wir organisieren das Camp. Wir erklären, wie wir zum Thema Israel und Palästina stehen

Einordnung zum System Change Camp 2024 und 2025

In den letzten zwei Jahren gab es auf dem Camp Konflikte zum Thema Israel und Palästina. Die Camp-Gruppe bekam verschiedene Vorwürfe. Manche nannten uns zu nah an Israel. Andere nannten uns antisemitisch. Das bedeutet, sie warfen uns Hass gegen jüdische Menschen vor.

Wir haben in den letzten zwei Jahren Fehler gemacht. Wir waren nicht gut genug auf Konflikte vorbereitet. Im Jahr 2024 zeigten wir zu wenig klare Unterstützung für Menschen in Palästina und für Teile der Palästina-Bewegung im Camp. Wir grenzten uns außerdem nicht klar genug von Antisemitismus ab. Antisemitismus bedeutet Hass gegen jüdische Menschen. Wir zeigten auch zu wenig Unterstützung für jüdische Menschen in unserer Bewegung.

Wir können hier nicht auf alle Ereignisse eingehen. Wir entschuldigen uns bei allen Menschen, die durch diese Ereignisse verletzt wurden. Wir waren auf manche Situationen nicht gut genug vorbereitet. Auf andere Situationen haben wir nicht angemessen reagiert.

Wir möchten die wichtigen Ursachen für diese Fehler erklären. Aus unserer Sicht haben diese Ursachen die Fehler möglich gemacht.

Wir können nicht über alle Fehler sprechen. Wir können auch nicht versprechen, dass keine Fehler mehr passieren. Wir wollen aus den letzten Jahren lernen. Wir wollen Benachteiligung und Ausgrenzung besser verhindern. Wir wollen uns besser auf schwierige Situationen vorbereiten. Dazu laden wir alle Teilnehmenden ein.

Nach dem Camp 2024 entstand mehr Unterstützung für Menschen in Palästina. Es gab auch eine engere Zusammenarbeit mit Gruppen, die sich für Palästina einsetzen. Für jüdische Menschen gab es keine ähnliche Entwicklung. Deshalb fühlten sich manche jüdische Menschen auf dem Camp nicht willkommen oder nicht sicher. Einige verließen das Camp.

Diese fehlende Unterstützung und der zu wenig sensible Umgang mit Antisemitismus zeigen sich in zwei Beispielen. Antisemitismus bedeutet Hass gegen jüdische Menschen.

  • Beim Camp in Frankfurt hängte die Gruppe Honestly Concerned Plakate auf. Die Plakate zeigten Fotos von israelischen Geiseln der Hamas. Außerdem enthielten sie Texte zum Krieg und deutsche Flaggen. Deutsche Flaggen sind auf dem Camp nicht erwünscht. Das steht in den Roten Linien des Camps.

    Die Teilnehmenden gingen unterschiedlich mit den Plakaten um. Manche verdeckten einzelne Teile, zum Beispiel die deutschen Flaggen. Andere entfernten nur die Texte. Wieder andere ergänzten eigene Texte mit einer Einordnung. Einige Teilnehmende rissen die Plakate später ab. Die Plakate und Fotos wurden danach weggeworfen.

    Das verletzte einige Menschen. Besonders jüdische Menschen empfanden das als respektlos gegenüber den Geiseln und den getöteten Menschen auf den Fotos.

  • Der Konflikt mit der Gruppe Honestly Concerned wurde immer stärker. Schließlich warfen Camp-Teilnehmende einen Farbbeutel auf einen Menschen der Gegen-Demonstration.

    Dabei nutzten sie rote Farbe. Rote Farbe kann an Blut erinnern. Blut spielt in alten antisemitischen Lügen und Verschwörungs-Erzählungen eine Rolle. Diese falschen Erzählungen verbreiten Hass gegen jüdische Menschen.

    Der Farbbeutelwurf nutzte dadurch eine antisemitische Bildsprache. Dabei ist es nicht wichtig, ob das absichtlich oder unabsichtlich geschah.

  • Wir als Camp-Gruppe waren nicht gut genug vorbereitet. Wir haben zu wenig getan, um Konflikte früh zu verhindern. Wir hätten früher mit jüdischen Gruppen vor Ort sprechen sollen. Dabei hätten wir über den Umgang mit Antisemitismus und die Geschichte jüdischer Menschen vor Ort sprechen können.

    Das Camp 2025 fand in einem Park statt. Der Park gehörte früher einer jüdischen Familie. Die Nationalsozialisten nahmen der Familie den Park 1935 mit Gewalt weg. Wir haben diese Geschichte nicht angesprochen. Wir haben auch die besondere Bedeutung des Ortes nicht ausreichend beachtet.

Vor allem der Farbbeutelwurf bekam viel Aufmerksamkeit in den Medien. Deshalb galt das ganze Camp in der Öffentlichkeit als antisemitisch. Wir haben uns nicht klar genug dagegen gestellt. Wir haben auch jüdische Menschen nicht deutlich genug unterstützt, im Camp und nach außen.

Wir bedauern besonders, dass jüdische Menschen auf dem Camp zu wenig Unterstützung bekamen. Es gab auch zu wenig Raum, um über die Vorfälle zu sprechen.

Ein Grund war das Fehlen gemeinsamer Treffen. Es gab keine Treffen mit allen Teilnehmenden. Deshalb bekamen viele Menschen zu wenige Informationen. Sie konnten sich auch nicht gut einbringen.

Ein weiteres Problem war die ungleiche Verteilung von Verantwortung und Macht. Viele Entscheidungen lagen bei der Camp-Gruppe. Ohne gemeinsame Treffen konnte die Gruppe für die Öffentlichkeits-Arbeit keine gemeinsame Haltung des Camps nach außen vertreten. Gleichzeitig lag der Kontakt zu den Medien bei der Camp-Gruppe. Viele Aufgaben führten außerdem zu Überlastung. Deshalb fehlte oft die Zeit, das ganze Camp in wichtige Entscheidungen einzubeziehen.

Änderungen für 2026

Aus den Erfahrungen der letzten Jahre haben wir Änderungen beschlossen. Auf dem Camp gibt es wieder gemeinsame Treffen mit allen Teilnehmenden. Alle können Aufgaben übernehmen, auch die Arbeit mit den Medien. Dieses gemeinsame Arbeiten nennen wir Haufen-Konzept.

Für den Umgang mit Ausgrenzung und Grenz-Verletzungen gibt es mehrere Angebote. Es gibt eine Gruppe für emotionale Unterstützung. Es gibt eine Gruppe für Hilfe bei Konflikten. Außerdem können Teilnehmende eigene Gesprächs-Gruppen gründen. Dort können sie über Vorfälle, Positionen und andere Themen sprechen. Die Ergebnisse können anschließend mit dem ganzen Camp geteilt werden.

Das Anti-Diskriminierungs-Konzept und die Roten Linien des Camps sollen allen Teilnehmenden besser erklärt werden.

Wir wünschen uns von allen Teilnehmenden einen achtsamen Umgang miteinander. Alle sollen reagieren, wenn Grenzen überschritten werden. Das gilt auch, wenn sie nicht selbst betroffen sind.

Positionierung der Camp-Gruppe

Auf dem Camp gab es Situationen, die Menschen verletzt haben. Die Gründe dafür waren unterschiedlich. Die Menschen hatten verschiedene Erfahrungen, Meinungen und politische Haltungen. Wir als Camp-Gruppe übernehmen dafür Verantwortung.

Gleichzeitig ist das Camp ein offener und gemeinsamer Ort. Wir können und wollen nicht alles kontrollieren. Wir möchten einen Raum schaffen, in dem Menschen innerhalb der Regeln des Camps verschiedene Meinungen austauschen können. Alle Teilnehmenden tragen Verantwortung für das Miteinander und dafür, wie sich andere Menschen fühlen.

Wir möchten einen Raum schaffen, in dem auch unterschiedliche Meinungen Platz haben. Unser Ziel ist mehr Zusammenhalt. Wir wollen Menschen dabei unterstützen, mit unterschiedlichen Meinungen respektvoll umzugehen.

Das Camp hat gemeinsame Werte. Diese Werte geben dem Camp Orientierung. Sie helfen uns, gut zusammenzuarbeiten.

Die Camp-Gruppe ist offen und vielfältig. Immer wieder kommen neue Menschen dazu. Menschen bringen unterschiedliche Erfahrungen und Meinungen mit. Deshalb können sich unsere gemeinsamen Werte weiterentwickeln.

Die meisten Menschen in der Camp-Gruppe sind weiß, christlich geprägt und in Deutschland aufgewachsen. Deshalb fehlen oft Erfahrungen mit Ausgrenzung und mit dem Einsatz für Freiheit und gleiche Rechte. Dadurch fehlen auch wichtige Sichtweisen. Gleichzeitig gibt es in der Camp-Gruppe auch Menschen, die selbst von Ausgrenzung betroffen sind.

Trotz dieser Grenzen möchten wir unsere wichtigsten Werte und Haltungen vorstellen.

Wir sind solidarisch mit den Menschen in Palästina. Wir unterstützen Gruppen, die sich für ein Ende der Gewalt durch die Regierung Israels einsetzen. Wir kritisieren auch die Unterstützung der deutschen Regierung für dieses Vorgehen.

Wir möchten, dass das Camp diese Gruppen unterstützt, wenn ihre Arbeit zu unseren Werten und Regeln passt. Das Camp soll ein Ort der Solidarität mit Menschen in Palästina sein. Wir lehnen es ab, Menschen wegen ihrer Unterstützung für Palästina zu bestrafen oder ihre Arbeit zu behindern.

Die aktuelle Gewalt muss enden. Für uns reicht das aber nicht aus. Auch die Besatzung, die Vertreibung und die Benachteiligung der Menschen in Palästina müssen enden. Diese Ungerechtigkeit besteht seit vielen Jahren.

Das Camp ist kein vollständig geschützter Ort für Menschen aus Palästina oder für Menschen, die Palästina unterstützen.

Beim letzten Camp stellten Teile der Medien die Unterstützung für Palästina mit Antisemitismus gleich. Sie stellten den Protest außerdem als kriminell dar.

Während des Camps wurde eine Person mit einem Palästina-Tuch angegriffen. Dieses Tuch heißt Kufiya. Es ist ein schwarz-weiß gemustertes Tuch und gilt für viele Menschen als Zeichen der Solidarität mit Palästina.

Wir lehnen Antisemitismus klar ab. Antisemitismus bedeutet Hass gegen jüdische Menschen. Wir lehnen es auch ab, Gewalt als Begründung für Hass gegen jüdische Menschen zu nutzen.

Die meisten Menschen in der Camp-Gruppe nutzen die Definition der Jerusalem-Erklärung für Antisemitismus. Sie halten die Definition der Internationalen Holocaust-Gedenk-Gruppe für weniger geeignet. Gleichzeitig sehen wir beide Erklärungen kritisch. Aus unserer Sicht reichen sie nicht für eine gerechte und freie Gesellschaft.

Wir sehen auch, dass es in Teilen der Palästina-Bewegung Antisemitismus gibt. Das lehnen wir ab. Wir verurteilen den Anstieg antisemitischer Gewalt. Wir kritisieren auch die fehlende Unterstützung für jüdische Menschen in Deutschland und anderen Ländern.

Wir verurteilen auch den Angriff der Hamas und anderer Gruppen am 7. Oktober 2023. Für uns ist diese Gewalt kein berechtigter Widerstand.

Wir laden alle Menschen ein, miteinander zu sprechen. Wir möchten, dass Menschen voneinander lernen und unterschiedliche Meinungen austauschen.

Besonders Menschen, die selbst wenig von Ausgrenzung betroffen sind, laden wir zum Zuhören ein. Sie sollen versuchen, Brücken zu bauen und miteinander im Gespräch zu bleiben. Gespräche sollen nicht vorschnell mit Vorwürfen enden.

Das Thema ist für viele Menschen persönlich und belastend. Deshalb wünschen wir uns einen achtsamen Umgang. Gespräche sollen die Situation nicht vereinfachen. Sie sollen verständlich bleiben und jedes Menschenleben gleich wichtig nehmen.

Das Camp soll ein Ort zum Lernen sein. Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und verschiedenem Wissen sind willkommen.

Beim Thema Israel und Palästina kann es trotzdem zu Grenz-Verletzungen kommen. Diese können Menschen verletzen. Das gilt besonders für Menschen, die selbst betroffen sind. Bitte achtet auf eure eigenen Grenzen und auf die Grenzen anderer Menschen.

Wir möchten Konflikte gemeinsam besser lösen. Alle Teilnehmenden sollen dazu beitragen, dass Ausgrenzung und verletzendes Verhalten keinen Platz bekommen.

Wenn euch eine Situation überfordert, könnt ihr euch an das Awareness-Team wenden. Das Awareness-Team unterstützt euch emotional und hilft beim Umgang mit belastenden Erfahrungen. Es löst keine Konflikte und trifft keine Entscheidungen für das Camp.

Bei Konflikten sollen die beteiligten Menschen zuerst selbst nach einer Lösung suchen. Wenn ihr dabei Unterstützung braucht, könnt ihr euch an das Mediations-Team wenden. Das Team hilft im Rahmen seiner Möglichkeiten bei Gesprächen.

Die Camp-Gruppe ist nicht die richtige Anlaufstelle für Konflikte. Uns fehlen dafür oft Zeit und Erfahrung. Wir möchten Konflikte nicht von oben entscheiden.

Wir greifen nur ein, wenn die Regeln des Camps überschritten werden.

Wir lehnen Unterdrückung und gewaltvolle Macht-Strukturen ab. Wir möchten solidarisch mit Menschen sein, die sich von unten gegen Ungerechtigkeit einsetzen.

Wir unterstützen linke und freiheitliche Gruppen in Palästina, Israel und überall sonst. Diese Gruppen setzen sich gegen Unterdrückung ein.

In der Vergangenheit wurde unsere Haltung manchmal falsch verstanden. Manche dachten, wir unterstützen politische Kämpfe nicht. Das entspricht nicht unserer Haltung.

Deshalb erklären wir unsere Position zu zwei Themen genauer: Nationalflaggen und autoritäres Verhalten auf dem Camp.

Unsere Roten Linien